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Bibelerzählung für Kinder und Familien

Gemeinschaft
Datum:
Veröffentlicht: 23.1.21
Von:
Thomas Höhn

„Erste Begegnung“

„Großvater, komm! Erzähl uns was von Jesus!“, so riefen Ruth und Beni wie aus einem Mund. Großvater Andreas konnte viel von Jesus erzählen.

Er war einst einer der Freunde Jesu. Jünger nannte man sie damals. Er war mit Jesus umhergezogen. Er hat ihn reden hören. Hat mit ihm gelacht und geweint. Ruth und Beni liebten die Geschichten ihres Großvaters. Er konnte wunderbar erzählen. Seine Geschichten waren lebendig. Besser als die Geschichten, die sie in der Hauskirche hörten. Ruth und Beni mussten nicht lange bitten. 

„Also gut“, sagte Andreas. „Lasst und hinauf zu der alten Eiche gehen.“ Die alte Eiche war Benis und Ruths Lieblingsplatz. Auf dem knorrigen Baum konnte man besonders gut herumklettern. Sie stand auf einem kleinen Berg. Man hatte von dort eine herrliche Aussicht. Man sah das Dorf. Man sah den See Genezareth. Fast den ganzen See konnte man überblicken. Dort angekommen setzten sich die Kinder in einen niedrigen Ast.

Großvater Andreas setzte sich einfach auf die Erde. Der Baum diente ihm als Rückenlehne. 
„Was soll ich euch denn eigentlich erzählen?“, fragte Andreas. Beni sagte: „Irgendwas von Jesus.“ „Nein, nicht irgendwas“, sagte Ruth. „Erzähl uns doch mal vom Anfang. Wann hast du denn Jesus das erste Mal getroffen? Wie war das? Bist du gleich sein Jünger geworden?“ 

„Langsam, nicht alles auf einmal“, bremste Großvater Andreas. „Ich werde euch alles erzählen. Aber immer schön der Reihe nach:
Es ist schon lange her. Ich war damals noch ein junger Mann. Mit eurem Onkel Simon fuhr ich jeden Tag auf den See zu Fischen hinaus. Eines Tages bemerkten wir, dass mit unserem Boot etwas nicht stimmte. Es lief immer mehr Wasser hinein. Unsere Füße standen schon bis zu den Knöcheln im Wasser. Wir mussten schnell zum Ufer zurückkehren. Dort angekommen sahen wir uns das Boot genauer an. Eine Planke war gesprungen.“ 

„Was ist eine Planke?“, fragte Beni. „Eine Planke ist ein Stück Holz. Ein Brett, aus dem das Boot aufgebaut ist,“ erklärte Andreas. „Also, eine Planke war gesprungen. Das konnten wir nicht selbst reparieren. Wir brauchten einen Zimmermann. Da sagte Simon zu mir: ‚Du, Andreas, im Dorf wird doch ein neues Haus gebaut. Dort sind auch Zimmerleute. Ich gehe mal hin und frage. Vielleicht hat einer von ihnen kurz Zeit für unsere Reparatur.‘ Das war eine gute Idee. Simon ging also hoch ins Dorf. Es dauerte nicht lange. Simon kam zurück. Bei ihm war ein Mann. Der trug in einem Korb sein Werkzeug mit sich. Das musste der Zimmermann sein. Wir begrüßten einander. Wir wünschten uns Schalom. Dann zeigten wir ihm den Schaden an unserem Boot. Er machte sich sogleich an die Arbeit. Dabei kamen wir ein wenig ins Gespräch. Der Zimmermann hieß Jesus.

Er erzählte: ‚Ich ziehe im Land umher. Von Baustelle zu Baustelle. Zusammen mit meinem Vater Josef baue ich Häuser oder repariere Dinge. Wir sind viel unterwegs. Unterwegs habe ich viel Zeit, mit meinem himmlischen Vater zu reden.‘
Kinder, das verstand ich nicht. Da gab es wohl Josef, seinen Vater. Aber wer war mit dem himmlischen Vater gemeint?
Ich frage ihn also: ‚Was meinst du damit? Wer ist dein himmlischer Vater?‘ Jesus sagte: ‚Komm mich doch besuchen, dann will ich dir mehr erzählen.‘ 

‚Wo wohnst du denn?‘, fragte ich nach. Er sagte nur: ‚Komm und sieh!‘“ Komisch war das. Aber ich war neugierig. Am Abend machte ich mich nochmals auf den Weg zur Baustelle im Dorf. Ich wollte diesen Zimmermann Jesus noch einmal treffen. Ich fand ihn auch. Er und sein Vater hatten ihr Lager neben der Baustelle aufgeschlagen. 
Ich setzte mich zu ihnen ans Feuer. Ich aß mit ihnen. Und wir redeten die halbe Nacht lang miteinander. 
Dann bin ich wieder nach Hause gegangen. In meinem Kopf drehte sich alles. Jesus hatte mir viel von seinem himmlischen Vater erzählt. 
Am nächsten Morgen besprach ich alles mit Simon. Alles, was ich von Jesus gehört hatte. Auch Simon war sehr neugierig geworden.
Ja, Kinder, so war das. So bin ich Jesus zum ersten Mal begegnet.“ 
„Und dann bist du mitgegangen, gell?" fragte Ruth. „Nein, Ruth, da noch nicht. Aber das ist eine eigene Geschichte. Diese erzähle ich euch ein anderes Mal. Seht, da kommt eure Mutter. Es ist auch schon längst Zeit für das Abendmahl."

So verließen sie die alte Eiche auf dem Berg. Sie liefen Rebecca, der Mutter von Beni und Ruth, entgegen. Die Sonne stand schon tief. Ihr warmes Licht fiel noch einmal auf den alten Baum. 
Der See glänzte golden. Was für ein schöner Abend.
(Quelle: Gemeindekatechese Erzbistum Bamberg, Thomas Höhn)