Beste Hilfe ist die Verhinderung von Flucht

Erzbischof Schick zur Lage abgelehnter Flüchtlinge in ihrer Heimat
Zum Schicksal der abgelehnten und heimgekehrten Flüchtlinge: Ich bin zur Zeit im Senegal unterwegs und besuche auch Caritas-Werke in den Diözesen. Dabei ist mir das Schicksal der zurückkehrenden Flüchtlinge in ihre Heimat erschreckend aufgegangen. Zum Welttag der Flüchtlinge, der am 15. Januar gefeiert wird, möchte ich darauf aufmerksam machen.
Anders als die Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak, die wegen der Kriege dort um Leib und Leben fürchten, machen sich die Flüchtlinge aus dem Senegal wie aus anderen afrikanischen Staaten auf den Weg nach Europa, weil sie für sich und ihre Familien ein besseres Leben suchen. Sie werden oft von allen Angehörigen mit Geld und Gut unterstützt. Sie versprechen sich späteren Nutzen davon. Die Flüchtlinge sind die Hoffnung des ganzen Clans. Wenn diese dann zurückkehren, sind sie die großen Versager vor sich selbst und der Familie. Eine fatale psychische Belastung! Die Familien fordern dann auch direkt oder indirekt das investierte Geld wieder zurück, was für die Zurückgekehrten zu einem prekären Stressfaktor wird. Sie selber haben ihre Arbeit auf den Feldern oder in Handwerksbetrieben vor der Flucht aufgegeben, die jetzt auch in anderen Händen sind. Bei nicht wenigen ist auch die Ehe und Familie während der Abwesenheit zerbrochen. Sie stehen oft in jeder Hinsicht vor dem Nichts.
Die einzige Institution, die ihnen hilft, ist die Caritas. In der Diözese Kolda habe ich ein Projekt besucht, das zurückgeschickte Flüchtlinge aus Spanien wieder integriert, das heißt ihnen das Selbtbewusstsein stärkt, sie mit der Familie versöhnt und zusammenführt, Ausbildung in Landwirtschaft und Handwerk vermittelt und Verdienstmöglichkeiten verschafft.
Auch die Staats- und Regionalregierungen, so wurde mir berichtet, sind gegenüber den Zurückkehrenden oftmals skeptisch bis total ablehnend. Aufgrund ihrer Erfahrungen auf der Flucht oder beim Abschiebungsverfahren in Europa sind diese radikalisiert. Die neue Situation in der Heimat verstärkt diese radikalen Tendenzen noch.
Was kann getan werden? Es braucht viel mehr und frühzeitige Aufklärung über die Chancen und Bedingungen der Aufnahme in den europäischen Ländern. Viele haben nur Illusionen von Europa, Nordamerika etc. Hier sind auch die Medien gefordert. Vor allem aber ist Entwicklungshilfe nötig, die aber immer nur zur Selbsthilfe dienen darf, die die eigenen Kräfte im eigenen Land mobilisiert und Zukunft und Perspektiven entwickelt. Die beste Hilfe für die Flüchtlinge ist, ihre Flucht zu verhindern. Das gilt vor allem für die Minderjährigen, um die der Papst sich am Weltflüchtlingstag 2017 besonders sorgt. Sie brauchen Schule, Ausbildung und Hoffnung im eigenen Land.