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Ausführliches Interview mit Neupriester Florian Stark aus Dechsendorf

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Datum:
Veröffentlicht: 19.9.10
Von:
Andreas Winterpacht

Interview geführt von Christian Wilson

 

CW: Sie sind nun katholischer Priester. Wie fühlen Sie sich jetzt?

FS: Bestens! Ich bin dankbar und glücklich darüber, dass ich diesen Weg gegangen bin und nach 7 Jahren ist es nun an der Zeit, das Erlernte und die Erfahrungen ins Pfarreileben einzubringen.


CW: Gut 1.000 Menschen haben am Primiz-Wochenende in Dechsendorf mit Ihnen gefeiert – statistisch gesehen ein Drittel der Einwohner. Was sagen Sie dazu?

FS: Ich bin und bleib ein Dechsendorfer und freue mich deshalb sehr, dass so viele Leute zu meinem Primizgottesdienst gekommen sind. Unter den Gästen waren auch viele, die keine „klassischen Kirchgänger“ sind. Schön ist, dass dieses Fest so viele Menschen miteinander verbunden hat. Man konnte spüren, dass nicht ich mein Fest gefeiert habe, sondern, dass wir alle gemeinsam unseren Glauben gefeiert haben.


CW: Wann haben Sie sich entschieden, Priester zu werden?

FS:
Der Gedanke war schon in meiner Jugend präsent. Das Leben in der Pfarrei, die Feier der Gottesdienste und die Botschaft von Jesus Christus waren mir seit meiner Kindheit sehr wichtig. Während meines Zivildienstes habe ich dann endgültig die Entscheidung getroffen, ins Priesterseminar einzutreten und den Weg zu wagen. Diese Entscheidung hat im Laufe meines Studiums und während der Zeit im Seminar immer mehr Konturen angenommen und ist immer mehr gereift.


CW: Was war der ausschlaggebende Grund für Sie, Priester zu werden?

FS: Ich möchte die frei machende Botschaft unseres Glaubens an Jesus Christus “an die Menschen unserer Zeit“ bringen. Auch der frühere Pfarrer von Eltersdorf, Konrad Wegner, bei dem ich „Zivi“ war - sein Foto steht übrigens auf meinem Schreibtisch - hat sicher durch sein Vorbild, durch seine Lebensweise und seinen Einsatz für die Mitmenschen, einen entscheidenden Teil dazu beigetragen.


CW: Was haben Ihre Eltern, Geschwister und Freunde gesagt?

FS: Ich bin in einer bodenständigen Familie aufgewachsen, die Kirche hat immer dazugehört. Meine Eltern haben mir hinsichtlich meiner Entscheidung den Rücken gestärkt. Das hätten sie aber sicher auch bei jedem anderen Beruf gemacht, den ich mit Überzeugung ergriffen hätte. Zu meinen langjährigen Freunden habe ich eine enge Verbindung. Sie ermöglichen mir auch oft Dinge aus einer ganz anderen Blickrichtung zu betrachten.


CW: Was hat Sie in Ihrer Ausbildung zum Priester besonders geprägt?

FS: Zum einen mein so genanntes „Freijahr“ in Innsbruck: Der Weg zum Priester soll keine „Rolltreppe“ sein, daher dient dieses Jahr zur Orientierung und Bewährung. An der Katholisch-Theologischen Fakultät in Innsbruck habe ich viele bekannte und namhafte Dozenten persönlich kennen gelernt, deren Namen man sonst nur in Büchern liest. Zum anderen war meine Zeit in Burgwindheim und Ebrach, wo ich als Diakon meine ersten Taufen und Hochzeiten feiern durfte, sicher auch sehr prägend.


CW: Worin sehen Sie Ihre Berufung?

FS: Getreu meines Primiz-Spruches „…von nun an wirst du Menschen Fischen“ möchte ich Menschen für den Glauben begeistern, ihnen ein Netz anbieten, welches sie auffangen kann. Dabei will ich ein Mensch wie du und ich bleiben, die Priesterweihe soll kein “Abheben“ von meinen Mitmenschen sein.


CW: Bei der Priesterweihe sagte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, der Zölibat sei „ein Stachel im Fleisch der Menschheit und muss es sein, damit sie nicht Gott und den Himmel vergisst und sich um sich selbst dreht“. Welche Bedeutung hat der Zölibat für Sie?

FS: Ich weiß, auf was ich verzichte. Aber der Zölibat darf nicht als Beziehungslosigkeit verstanden werden. Als Priester ist man vielleicht mehr als sonst in ein Beziehungsgefüge hinein genommen, das trägt und hält. Das sind die Pfarrgemeinde, der Freundeskreis, die Mitbrüder, die Familie, das Elternhaus und die Geschwister. Das Fehlen einer eigenen Familie befähigt zu einer größeren Freiheit und Verfügbarkeit für andere Menschen, denen man täglich begegnet.


CW: Vor welcher zentralen Herausforderung steht die Kirche in Deutschland und wie kann sie im Allgemeinen für viele Menschen „attraktiver“ werden?

FS: Ich glaube, dass die Kirche in Deutschland transparenter werden muss. Sie muss bereit sein, Fehler, die in der Vergangenheit gemacht wurden, einzugestehen, und diese aufzuarbeiten. Dann erst wird sie wieder glaubwürdiger und bestimmt auch, gerade für die jungen Leute, attraktiver werden.


CW: Nach der umfangreichen Berichterstattung über den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen im kirchlichen Bereich ist die Stimmung in und gegenüber der Kirche augenblicklich zum Teil recht negativ. Belastet Sie das und wie gehen Sie damit um?

FS: Diese Vorfälle belasten auf jeden Fall und ich frage mich, wie es dazu kommen konnte. Ganz klar, so etwas hätte nicht passieren dürfen und alles muss aufgedeckt werden. Auf der anderen Seite darf es natürlich auch keinen „Generalverdacht“ gegenüber Priestern und kirchlichen Mitarbeitern geben. In persönlichen Gesprächen wurde mir aber immer wieder klar, dass die Gläubigen sehr gut und deutlich zwischen Pressemeldungen auf der einen Seite und andererseits den Seelsorgern, die sie vor Ort erleben, unterscheiden.


CW: Welchen Rat würden Sie einem jungen Mann mitgeben, der mit dem Gedanken spielt, Priester zu werden?

FS: Soweit ich jetzt auf meinen Weg zurückblicke, kann ich nur sagen, der Weg in der Nachfolge Jesu ist ein sehr Guter und Beglückender. Ab und zu wird er steil uns steinig (auch das soll nicht verschwiegen werden), aber das gehört auch dazu. Jeden, der den Ruf hört, kann ich nur ermutigen, sich auf den Weg einzulassen und zu prüfen, ob es eventuell sein Weg ist. Wichtig ist dabei immer, für Veränderung offen zu sein und nicht mit einem fertigen Bild zu kommen, wie ein Priester sein muss.  

 

„Steckbrief“  

 

CW: Haben Sie ein „Leitmotto“?

FS: „Sing, bet und geh auf Gottes Wegen“


CW: Haben Sie ein Vorbild (Person)?

FS: Ich habe kein einzelnes Vorbild oder Idol, bei dem ich sage: “so will ich werden und nur so!“, das birgt immer die Gefahr, eine Kopie zu werden. Es gibt viele Menschen, denen ich begegnet bin und die mich

Primiz Dechsendorf 2
Primiz Bamber 2