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Adventskalender-Stress!

Adventskaleder Stapel
Datum:
Veröffentlicht: 1.12.23
Von:
Marco Weis

Gedanken zur beginnenden Adventszeit

Sie stapeln sich nicht nur in Supermärkten, Parfümerien, Getränkehandlungen und im Eingangsbereich großer Warenhäuser. Nein, ...

Sie stapeln sich nicht nur in Supermärkten, Parfümerien, Getränkehandlungen und im Eingangsbereich großer Warenhäuser. Nein, auch in Buchhandlungen und sogar online türmen sie sich bis unter die virtuelle Decke des World Wide Web in Form von Bits und Bytes und belegen einiges an Server-Speichern: die alljährlichen Adventskalender.

Mittlerweile gibt es für diejenigen, die sich mit dem christlichen Weihnachtsfest nicht wirklich identifizieren sogar einen Silvester- oder Jahresend-Kalender mit nicht nur 24, sondern 31 Türchen. Von schrill bis sentimental ist alles dabei. Aber zurück zum Thema.

Weihnachten will vorbereitet sein. Und das nicht nur äußerlich, sondern bitteschön auch innerlich – und da nicht nur profan in Form von täglichem Hüftgold oder kleinen Drinks aus irgendeiner mit Türchen versehenen Box. Schließlich spricht schon Hilarius von Poitiers (+ 367) von einer „Zeit gesteigerter religiöser Betätigung“ vor dem – damals noch äußerst jungen – Weihnachtsfest.

Somit erreichen mich und vielleicht auch Sie heutzutage oft nicht nur einer, sondern meist gleich mehrere, hip gestaltete, spirituelle Adventskalender mit Gedanken und Glaubensimpulsen für jeden Tag der Adventszeit. Vielleicht haben Sie das Gefühl, dem Adventskalender-Stapel auf dem Tisch bald gar nicht mehr Herr zu werden und setzen sich unter Termindruck diesen morgens, jenen abends zu lesen.

Ach halt – nicht zwischen Tür und Angel!

Kerze anzünden – hinsetzen – lesen – nachdenken! Und schon ist er da, der Adventskalender-Stress!

So präsentiert sich Besinnung im winterlichen Gewand des Zwiebel-Looks: Eine Schicht wird über die nächste gelegt, bis man, in einige Schichten von Besinnung gepackt, ins Schwitzen gerät und ganz gestresst ist – Leistungsdruck macht sich breit. Würde man einen dieser Kalender nicht lesen, kränkte man doch den lieben Schenker, die bemühte Schenkerin. Oder etwa nicht?

Natürlich muss ich mich selbst am Schopf packen, als Besinnungs-Anheizer entlarven, da auch ich so manche Freunde und Verwandte mit Lese-Adventskalendern bedenke. Doch hoffe ich, sie würden mir sagen, wenn es ihnen zu viel wird

Oder ich wünsche ihnen zumindest, dass sie den Kalender getrost bei Seite ließen, wenn er ihnen mehr zum Besinnungs-Leistungsdruck denn zur geistigen Erfrischung diente.

Und ich glaube, wir dürfen das auch tun. Vorbereitung auf Weihnachten ja, Übervorbereitung nein. Weniger Besinnung auf die Besinnung ist möglicherweise ein mehr an Ausgeglichenheit. Das sehr zu schätzende, vielfältige Angebot an Adventskalendern ist nicht dazu da, um es komplett abzuarbeiten, sondern um bedacht daraus auszuwählen. So kann ich guten Gewissens reduzieren und werde am Ende vielleicht doch noch besinnlich gestimmt.

Ein Adventskalender genügt.