Adventsfenster der Kolpingsfamilie

Das Adventsfenster der Kolpingsfamilie hat in diesem Jahr ein Labyrinth zum Thema.
Zugegeben: auf den ersten Blick ein etwas ungebräuchliches Bild in der Adventszeit. Und doch: das Warten, Hoffen und Bangen, das entschlossene Ausschreiten zum Ziel, die Wendungen und schließlich: die Ankunft, all das steckt im Bild des Labyrinthes.
Unsere Darstellung zeigt eines der bedeutendsten und größten christlichen Labyrinthe. Es befindet sich in der Kathedrale Notre Dame in der französischen Stadt Chartres und ist um das Jahr 1216 mit höchster Handwerkspräzision entstanden und von einer fast unerschöpflichen Symbolik.
Aber das ist nicht das Entscheidende. Entscheidend ist: ein Labyrinth ist kein „Irrweg“ oder „Irrgarten“.
Der Irrgarten fragt: Welches ist der richtige Weg? Und man benötigt seinen Verstand, um den richtigen Weg zu finden.
Ein Labyrinth hat dagegen nur einen einzigen Weg, die Frage lautet:
Willst Du meinen Weg gehen?
Und es ist nicht der Verstand, der die Antwort gibt…
Lied: Mache dich auf und werde Licht
Wer das Labyrinth betritt, hat das Ziel bereits vor Augen. Die Distanz scheint nur kurz zu sein. Doch der Weg führt um die Mitte herum und dann sogar immer weiter weg bis man fast wieder am Eingang ist. Überraschend lange läuft man am Ziel vorbei, so dass man Zweifel bekommen könnte, ob man überhaupt noch auf dem richtigen Weg ist, ob es noch sinnvoll ist weiterzugehen.
Das Labyrinth ist ein Hinweis darauf, dass der Weg zur Mitte ein anspruchsvoller Weg ist. Rasch und billig ist hier nichts zu erreichen. Wer zur Suche nach sich selbst und nach Gott aufbricht, kann nicht erwarten, dass das so nebenbei zu erledigen wäre. Es liegt ein langer unbekannter Weg mit überraschenden Wendungen vor einem.
Einladung zu einer kleinen Meditation:
Folgen Sie dem Weg - hier geht es leider nur in Gedanken - bis zur Mitte.
Meditationstext: Was das Labyrinth mir sagt...
Es gibt nur einen kleinen Einschlupf ins Labyrinth.
Wenn ich hineingehe, mich auf den Weg zur Mitte einlasse, geht es immer weiter.
Ich bin unterwegs auf meinem Lebensweg.
Wohin will ich gehen? Welches sind Ziele, für die es sich zu leben lohnt?
Welches Ziel verfolge ich im Augenblick? Was ist meine Mitte?
Um welchen Mittelpunkt dreht sich mein Leben?
Das Labyrinth ist ein Symbol für meinen Lebensweg und es ist ein Symbol für mein Leben mit Gott.
Es macht deutlich, dass ich mich aufmachen muss, dass ich unterwegs sein muss, wenn ich zur Mitte kommen will.
Das Labyrinth zeigt, dass ich manchmal nahe an die Mitte heran komme.
Dann habe ich das Gefühl, etwas von Gott und vom Glauben verstanden zu haben. Dann liegt in dieser Mitte ein neuer Anfang, der Kraft gibt und Zuversicht, dann haben mein Leben und der Glaube etwas miteinander zu tun.
Das Labyrinth zeigt aber auch, dass ich mich manchmal ganz am Rande bewege. Dann ist mir alles fremd, abgehoben und unverständlich und Gott hat vielleicht keine große Bedeutung für mein Leben.
Ich richte mich in einem Leben ohne Gott ein.
Das Labyrinth macht deutlich: beide Erfahrungen gehören zum Leben.
Es wird Umwege und überraschende Wendungen geben, manchmal werde ich sogar das Ziel aus den Augen verlieren.
Aber Gott wird auch auf diesen Wegen bei mir sein. Ich kann darauf vertrauen, dass ich meine Bedeutung für ihn nicht verlieren werde.
Am Rand beginnt der Weg, der in die Mitte führt.
Und schließlich zeigt das Labyrinth:
wenn ich geduldig weiter gehe, komme ich einmal ans Ziel,
- In die Mitte - zu Gott.
Lied: Ich steh´ (an deiner Krippen) in deiner Mitten hier (Str. 1 + 2)
Und ist man in der Mitte angekommen, stellt man fest, das Labyrinth hat zwei Wege, den hinein in die Mitte und den heraus aus der Mitte.
Um hier endlich einmal an die antike Tradition der Labyrinthe anzuknüpfen: Theseus braucht keine Hilfe, um in der Mitte des Labyrinthes den Minotaurus zu finden, aber er brauchte den Faden der Ariadne, um den Weg heraus zu finden. Es ist leichter zu einer Heldentat aufzubrechen, als zur Liebe. Der Weg hinein ist ein starker, ein spannender Weg auf ein Ziel zu.
Der Weg heraus ist ein stiller, ein demütiger Weg. Man kennt ihn schon, und doch ist er wieder lang. Der Weg heraus ist der Weg nach Hause.
Mein Weg mit Gott. Kommen sie gut an!
Lied:Tragt in die Welt nun ein Licht und / oder
Lied: Alle Jahre wieder