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8. Bibelerzählung – „Miteinander essen“

Feuer
Datum:
Veröffentlicht: 1.4.21
Von:
Gemeindekatechese Erzbistum Bamberg, Thomas Höhn

Mk 14,17-26

Rebekka war stinksauer. Rebekka war die Mutter von Beni und Ruth. Beni hatte wieder einmal Unfug gemacht. Er hatte den Rauchabzug des Hauses mit nassem Laub verstopft.
Der Rauch von der Kochstelle konnte nicht durch das Loch im Dach abziehen.
Er sammelte sich im Haus. Wurde dichter und dichter. Und trieb schließlich alle nach draußen. Selbst in den Ziegenstall kroch der Rauch.
Die Ziegen meckerten laut und jämmerlich.

Beni saß in einem Ast seines Lieblingsbaumes. Er beobachtete alles. Und freute sich über den Unfug. Im Unfugmachen war er viel besser als Ruth, seine große Schwester. Darauf war er mächtig stolz. Ruth war immer so vernünftig. Voll langweilig.
Die Rauchschwaden wurden dichter. Es kamen schon Nachbarn angelaufen. Sie wollten sehen, was los war. Und Beni dachte bei sich: „Ohje, das wird diesmal mächtig Ärger geben.“ Er sah seinen Vater auf das Dach steigen. Mit einem Werkzeug machte er den verstopften Rauchabzug wieder frei. Langsam verzog sich der Rauch. Da sah er schon seine Mutter kommen. Sie wusste genau:
Beni steckt hinter diesem Unfug. Und sie wusste auch ganz genau: Beni sitzt in seinem Lieblingsbaum und beobachtet alles.

„Beni, komm sofort vom Baum herunter. Das ist doch dein Werk, oder etwa nicht? Du hast den Rauchabzug verstopft. Du Lausebengel,“, rief Rebekka mit ernster Stimme. Beni kletterte aus dem Baum. Langsam mit betretener Miene ging er auf seine Mutter zu.
„Ja“, sagte er, „ich war’s. Tut mir leid“ Nur, um mit einem frechen Grinsen anzufügen: „Aber es war lustig, als alle nach draußen stürmten.“ Selbst Mutter musste ein bisschen grinsen. Sie kannte ihren Lausbuben.
„Zur Strafe wirst du die Sitzmatten und den Tisch nach draußen tragen. Das Geschirr, die Becher und den Krug. Und du wirst trockenes Holz sammeln für ein Feuer. Im Haus stinkt es noch so sehr nach Rauch. Wir müssen heute draußen essen. Und – hinterher wirst du alles wieder aufräumen!“ Beni nickte nur. Er wusste: Widerspruch war zwecklos.

Es war dann ein unerwartet gelungenes Abendessen. Alle hatten viel zu erzählen.
Besonders von den Streichen Benis‘.

Der Tisch und die Matten waren längst aufgeräumt. Aber Beni, Ruth, Andreas, Rebekka und David saßen noch um das Lagerfeuer. „Das war ein schönes Essen. Ich danke euch“, sagte Andreas. „Und ich danke dir Beni. Ohne dich Lausbuben wäre es ein ganz normales Abendessen geworden. Und jetzt sitzen wir so herrlich unter den Sternen. Fast so wie damals, als wir mit Jesus unterwegs waren. Oft haben wir im Freien übernachtet. Oft haben wir im Freien gegessen. Und dann saßen wir um das Lagerfeuer. Jesus hat erzählt. Oder einer von uns. Wir haben viel gelacht.“

Wie immer, wenn es um Jesus ging, wollte Ruth noch mehr wissen. Sie fragte:
„Du, Großvater, zum Abschied hat Jesus doch auch ganz besonders mit euch gegessen? War das auch so mit Lagerfeuer und draußen? Da habe ich ehrlich noch nie drüber nachgedacht.“ Alle sahen Andreas mit großen Augen an. Sie wussten es. Jetzt kommt wieder eine von Großvaters Geschichten.

„Nein, Ruth, das letzte Abendessen mit Jesus war in einem Haus in Jerusalem“, begann Andreas.
„Mitten in der Stadt macht man keine Lagerfeuer. Wir sollten in einem kleinen Festsaal essen. Das war ungewöhnlich. Etwas Besonderes lag in der Luft. auch Jesus war anders als sonst. Er blickte ernst und besorgt. Er lachte und scherzte nicht mit uns. Er sprach von Leid und Tod. Wir verstanden es zuerst nicht.
Als wir zu dem Festsaal kamen, war das Essen schon vorbereitet. Der Tisch war gedeckt. Mit Brot und Wein, mit Kräutern und Lammfleisch. Um den Tisch lagen Polster zum Sitzen. Als alle von uns da waren, sagte Jesus etwas Seltsames:

‚Ich werde hier nicht mehr mit euch essen. Erst muss das Reich Gottes kommen.
Dann werde ich mit euch wieder essen.‘

Das war schon seltsam. Wir schauten uns fragend an. Was sollte das bedeuten?
Jesus sagte manchmal seltsame Dinge.
Nicht alles verstanden wir gleich. Und dann nahm Jesus vom Brot und einen Becher mit Wein. Er sprach das Dankgebet.
Das Gebet kannten wir alle. Was er danach aber sagte, war ganz neu.

Anders, wunderbar, bedeutsam. Er sagte: ‚Nehmt dieses Brot. Das bin ich selbst.‘ Dann brach er das Brot. Teilte es uns aus. Und wir aßen. Das Brot schmeckte wie Brot.
Es war Brot und es war zugleich Jesus selbst. Ich kann es euch nicht erklären. Dann nahm Jesus den Kelch mit Wein. Er sprach: ‚Nehmt diesen Kelch mit Wein. Trinkt! Dieser Wein bin ich selbst.‘ Und wir alle tranken von dem Kelch. Der Wein schmeckte wie Wein. Es war Wein, doch zugleich war es Jesus selbst, den wir tranken.

Jesus sagte eine ganze Weile gar nichts. Wir alle schwiegen. Es war ein wundersamer Moment. Schmerzvoll und schön zugleich. Dann sagte er noch:
‚Brot und Wein, das bin ich. Das ist mein Leib und mein Leben. Esst das Brot und trinkt den Wein und denkt an mich.‘

Ja, so war das.“ Es war ganz still geworden als Andreas erzählte. Selbst das Knistern des Feuers war erstorben. Der Abendwind hatte sich gelegt. Selbst Beni saß ausnahmsweise ganz still. Dann schauten sich alle verwundert an.

Andreas hatte so lebendig erzählt. Als wären sie selbst dabei gewesen.

Beim letzten Abendmahl.

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Bis heute wird diese Geschichte vom letzten Mahl erinnert.
Sie kann die Menschen ergreifen. Sie geht nahe.
Ist schön und ernst. Ist wunderbar und alltäglich.
In der Messe stehen diese Worte Jesu im Zentrum.
Die Worte, die Jesus am Abend im Festsaal sprach. Sie sind bis heute bedeutsam.
Sie erinnern so an Jesus, als wäre er mitten unter uns.
Und das Brot wird dann zu Jesus selbst. Und der Wein wird dann zu Jesus selbst.
Heute wie vor 2000 Jahren.
Jesus kommt dir ganz nah.
Im Brot und im Wein.

(Quelle: Gemeindekatechese Erzbistum Bamberg, Thomas Höhn)