6. Bibelerzählung – Ankunft in Jerusalem

Mt 21,1-11
Großvater Andreas war zu den Osterfeiertagen in Jerusalem.
Beni und Ruth wollten ihn dort treffen. Mit ihren Eltern, Rebekka und David, reisten sie in die große Stadt. Es war eine lange Reise von Galiläa nach Jerusalem. Viele Tage zu Fuß mussten bewältigt werden.
„Sieh mal, Mutter, ich kann den Tempel schon erkennen!“, rief Ruth und Beni rief noch lauter: „Ich kann schon das große Stadttor erkennen! Dort wartet Großvater auf uns!“ „Ja, Beni, dort wartet mein Vater auf uns“, sagte Mutter Rebekka. „Ich freue mich schon so darauf, ihn zu sehen.“
Aber bis zum großen Stadttor waren es noch drei lange Stunden Fußweg.
Doch dann war auch das letzte Wegstück geschafft.
Am Stadttor wartete Großvater auf die Wanderer. Großvater winkte ihnen schon von Weitem zu. Beni und Ruth sahen ihn. Und flitzten los.
Sie rannten ihrem Großvater entgegen. Großvater empfing sie mit weit ausgebreiteten Armen. Sie hüpften an ihm hoch. Und Großvater wirbelte mit ihnen im Kreis. Dann waren auch Rebekka und David heran. „Schalom!“ „Schalom!“, erklang es vielfach, und: „Wie schön, dass ihr da seid.“
Großvater hatte Honigkuchen und frisches Wasser mitgebracht.
Gemeinsam ließen sie sich neben der Straße vor dem Tor nieder.
Müde und glücklich waren sie. Endlich in der großen Stadt angekommen.
Hier gab es viel zu sehen. Auf der Straße waren viele Menschen unterwegs. Bauern, Händler und Reisende waren zu sehen, Römer, andere Fremde und Menschen aus Jerusalem. Für Beni und Ruth gab es viel Neues zu entdecken. Bald waren sie gestärkt und wieder etwas zu Kräften gekommen. Und es dauerte nicht lange, da erwachte ihre Neugierde. Und sie fragten ihren Großvater ein Loch in den Bauch: „Großvater, was ist das dort? Wie heißt dies oder das? Kennst du diesen Menschen? Wo werden wir schlafen? Wann gehen wir endlich in die Stadt hinein? Warst du hier auch mit Jesus?“
Großvater bemühte sich, alle Fragen zu beantworten. Bei der Frage nach Jesus hielt er kurz inne. Dann sagte er: „Ich kenne euch gut. Ich mache euch einen Vorschlag. Ihr mögt meine Geschichten. Ich werde euch noch eine Geschichte erzählen. Hier! Danach gehen wir in die Stadt hinein. Dorthin, wo ihr schlafen werdet.“ „Oh, ja, prima, eine Geschichte!“, rief Beni. Und Rebekka fügte noch hinzu: „Aber bitte eine von Jesus, Großvater.“ Die Eltern, Rebekka und David, lächelten. Sie nickten Andreas zu. Auch sie mochten seine Geschichten.
Auch sie interessierten sich sehr für Jesus.
„Wisst ihr, Kinder“, begann Andreas, „es war hier auf dieser Straße, als …“ „Was war denn hier?“, rief Beni dazwischen. Und Ruth funkelte ihn verärgert an. Er sollte endlich leise sein. Und zuhören. „Es war genau hier“, fuhr Großvater mit einem Lächeln in der Stimme fort, „wo wir uns auch damals versammelt haben. Damals als wir mit Jesus nach Jerusalem hineingezogen sind. Viele Menschen waren zusammengekommen. Es hatte sich herumgesprochen: ‚Jesus kommt in die Stadt!‘ Viele wollten ihn sehen. Sie sagten: ‚Jesus ist ein Prophet. Er kommt von Gott.‘
Viele wollten seine Worte und Geschichten hören. Viele suchten seinen Segen. Damals hatten wir einen Esel dabei. Jesus setzte sich auf den Esel. Er ritt auf dem Esel durch das Stadttor hier. Genau durch dieses Tor hier. Viele Menschen jubelten ihm zu. Sie riefen: ‚Hosanna, dem Sohne Davids! Hosanna!‘
Sie waren begeistert von Jesus. Sie legten ihre Kleider auf den Weg.
Jesus ritt auf seinem Esel wie über einen großen bunten Teppich. Sie rissen Zweige von den Bäumen. Sie winkten mit den Zweigen. Und immerzu riefen sie: ‚Hosanna! Hosanna!‘. Es war wie wenn der König vorbeizieht.
Aber Jesus war kein König, wie man ihn kennt. Könige reiten auf edlen Pferden. Könige tragen Kronen und edle Gewänder. Könige werden von Soldaten begleitet. Jesus aber ritt auf einem Esel. Er trug nur ein einfaches Gewand.
Nur wir, einfache Menschen, begleiteten ihn. Jesus war an diesem Tag ein König. Aber ein anderer König. Ein König des Friedens. Ein König des einfachen Volkes. Ein König der Armen. Jesus war ein mächtiger König. Aber seine Macht war seine Ohnmacht. Das ist schwer zu verstehen. Auch damals verstanden es nicht alle. Heute weiß ich es. An diesem Tag waren nicht alle begeistert von Jesus. Es gab auch andere Menschen. Die mochten Jesus nicht. Diese richteten später noch großes Unheil an. Doch das ist eine andere Geschichte für einen anderen Tag.“
So beendete Großvater seine Geschichte. Ruth und Beni staunten. ‚Hier war das also. Hier ritt Jesus in die Stadt.‘
„Wie lange ist das her?“, fragte Ruth und Großvater antwortete:
„Ich war damals noch ein junger Mann. Eure Eltern waren noch Kinder. Und ihr beide wart noch lange nicht auf der Welt. So lange ist das her.“
Schließlich standen Beni, Ruth, ihre Eltern und Großvater von ihrem Lagerplatz auf und schritten durch das große Stadttor.
Beni und Ruth beschäftigte die Geschichte noch lange:
‚Wie das wohl war, als Jesus hier durchgezogen ist? Es haben doch so viele Menschen gejubelt. Das hatte Großvater erzählt. Warum haben diese vielen Menschen Jesus später nicht geholfen?‘
(Quelle: Gemeindekatechese Erzbistum Bamberg, Thomas Höhn)