Zum Inhalt springen

300 Jahre Stuckdecke in St. Xystus

St. Xystus
Datum:
Veröffentlicht: 30.9.26
Von:
Sandra Hirschbichler

300 Jahre barocke Pracht: Die Stuckdecke von Donato Polli in St. Xystus

Erlangen-Büchenbach. Die historische Wehrkirche St. Xystus im Erlanger Stadtteil Büchenbach birgt einen kunsthistorischen Schatz von überregionaler Bedeutung: Die prachtvolle barocke Stuckdecke des renommierten Tessiner Meisters Donato Polli aus dem Jahr 1726.

Donato Polli wurde 1663 in eine wohlsituierte Familie in Muzzano bei Lugano im Tessin geboren. Nach seiner Ausbildung zum Stuckator in Italien und Frankreich kam er 1690 nach Nürnberg. Ein Jahr später wird ihm der Stadtschutz erteilt, der es ihm ermöglichte, zu heiraten und seine Kunst in Monopolstellung auszuüben. Fast 50 Jahre stuckierte Polli fortan Kirchen, Bürger- und Gartenhäuser sowie Adelssitze und Residenzen. Seine Werke finden sich neben Nürnberg – z.B. Stuckdecke im Melanchthon Gymnasium (1693/95), Stuckaturen im Fembohaus Nürnberg (1734) - im ganzen fränkischen Raum. Er gilt mit seiner Technik, seiner Qualität und Kunst als ein Wegbereiter des Stucks in Franken. Entscheidend für diesen Erfolg war einerseits seine künstlerische Flexibilität und Qualität. Seinen Auftraggebern konnte er stets Entwürfe im neuesten Zeitgeschmack anbieten. Andererseits war Polli in der Lage, eine „Großbaustelle“ mit verschiedenen Gewerken, wie Freskanten, Stuckateuren, Bildhauern und Vergoldern zu organisieren.

Mit der Stuckdecke von St. Xystus in Erlangen Büchenbach schuf Polli im Jahre 1726 für nur 120 Gulden ein Meisterwerk der sakralen Handwerkskunst, das bis heute Kunstliebhaber und Gläubige gleichermaßen in seinen Bann zieht. Die Stuckdecke ist durch Bandwerk in Felder geteilt. Girlanden, Akanthusranken, Blumenkörbe, Putten und Muschelwerk signalisieren den Übergang vom Barock zum Rokoko. Die üppigen Ornamente zeigen den Gläubigen die Fülle von Gottes Gaben. Diese meisterhafte Stuckatur bildet den Rahmen für drei große Freskenfelder der Nürnberger Stadtmaler-Werkstatt Gebhard. Im zentralen Hauptbild wird das Martyrium des Kirchenpatrons dargestellt: Der heilige Papst Sixtus II. (griechisch Xystus) verweigert die Anbetung einer heidnischen Gottheit und wird von römischen Soldaten gefangengenommen. Flankiert wird die Szene von Darstellungen seiner Enthauptung sowie dem Martyrium seines Diakons St. Laurentius.

1738 stirbt Polli in Nürnberg. Als Katholik kann er jedoch in der evangelischen Stadt nicht beerdigt werden. So findet er sein Grab unter seiner Stuckdecke in St. Xystus im katholischen Büchenbach. Er stiftete ein Epitaph und einen Betrag für einen jährlichen Gedenktag, der höher lag als die Kosten für die Kirchendecke.

Das Jubiläum der Decke bietet eine einzigartige Gelegenheit, die tiefe Verbindung von Glauben, Handwerk und Regionalgeschichte generationenübergreifend neu zu entdecken.

Die Pfarrei St. Xystus in Erlangen Büchenbach lädt daher alle Interessierten ein, die filigranen Details dieses Denkmals im Rahmen von Kirchenführungen und einem Festgottesdienst vor Ort zu bewundern.

Wibke Garbarukow Kirchenstiftung St. Xystus Erlangen Büchenbach