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3. Bibelerzählung für Kinder – „Gute Worte“

Sonnenaufgang
Datum:
Veröffentlicht: 20.2.21
Von:
Gemeindekatechese Erzbistum Bamberg, Thomas Höhn

Lk 6,20-21 und Lk 11,1-4

Die Sonne war gerade aufgegangen. Es war noch angenehm kühl am Morgen. Ein leichter Wind strich um das Haus.
Andreas saß auf einer Bank an der Hauswand. Er trank genüsslich eine Schale frischer Ziegenmilch. Dazu aß er ein Stück noch warmes Fladenbrot. Andreas genoss die Zeit am frühen Morgen. Da konnte er gut nachdenken. Es war auch die Zeit, in der er seine Gebete sprach. Immer erinnerte er sich dann an seine Zeit mit Jesus und den anderen. 

Hin und wieder gesellte sich Ruth morgens zu ihm. Ruth war eine Frühaufsteherin. Ganz anders als Beni. Beni schlief gerne lange.
Und er brauchte immer unendlich, bis er richtig wach wurde.

So war es auch an diesem Morgen. Ruth war längst wach. Beni schlief noch. Sie wollte sich zu Andreas setzen. 
Sie wollte mit ihm den Sonnenaufgang beobachten. Und vielleicht ein bisschen mit Andreas reden. Sie wollte ihren Großvater aber nicht bei seinen Gebeten stören. Deshalb blieb sie meist ein bisschen entfernt stehen und wartete. Das hatten sie so ausgemacht. Sie wartete, dass Großvater Andreas ihr zuzwinkerte. Das bedeutete, dass er mit seinen Gebeten fertig war. Heute musste sie gar nicht warten. Andreas zwinkerte ihr gleich zu. So setzte sie sich zu ihm. Andreas brach ihr ein Stück von seinem Brot ab und gab es ihr. 
„Danke, Großvater, ich wünsche dir Shalom und einen guten Morgen.“, sagte Ruth.

„Shalom, Ruth“, sagte auch Großvater, „das ist ein wunderbarer Morgen heute. Und dass du herausgekommen bist, macht ihn noch wunderbarer.“ 
Ruth nickte und biss ein großes Stück Brot ab. „Sag mal Ruth, habe ich dich heute Nacht weinen hören?“, fragte Großvater. „Ja, schon, aber nicht sehr lange“, antwortete Ruth undeutlich mit vollem Mund. Und Andreas sah sie mit fragendem Blick an. 

„Ich hatte einen ganz schrecklichen Traum. Dann bin ich aufgewacht. Alles war dunkel. Ich hatte Angst. Da musste ich weinen. Aber Mutter hat mich gehört. Sie ist dann gekommen. Sie hat mich ganz fest gehalten und mich getröstet. Sie hat zu mir gesagt: ‚Ruth, mein Kind, ich bin jetzt da. Ich beschütze dich. Ich habe dich lieb.‘ Und dann ist sie bei mir sitzen geblieben. Bis ich wieder eingeschlafen bin. Das war gut. Echt gut!“ 
Andreas hörte Ruths Geschichte still und aufmerksam an. Er nickte bedächtig und schaute dann in die Ferne. Eine Weile saßen sie so ganz still beieinander. Dann fragte Ruth: „Du, Großvater, an was denkst du gerade?“ 

Es dauerte ein bisschen. Dann begann Andreas zu erzählen:

„Ich denke an das Jahr, in dem ich mit Jesus und den anderen unterwegs war. Wir begegneten in dieser Zeit auch vielen Menschen, die weinten. Kranken und Armen. Traurigen und Hungrigen. Und Jesus hatte immer ein gutes Wort für sie. Er hatte immer gute Worte für die Menschen. Und mehr als Worte. Er konnte Menschen trösten und gesund machen. Nur indem er ihnen zuhörte und mit ihnen sprach. Weißt du!? Einmal stand er auf einem Hügel und sprach zu ganz vielen Menschen. Er tröstete. Er sprach von Gott. Er sagte ihnen viele wundervolle Dinge. 
Gute Worte mit Kraft. 
Er sagte:

‚Ihr Armen, hört her und freut euch. 
Ihr seid wertvoll und reich vor Gott. Ihr Traurigen, hört her und freut euch. 
Ihr sollt nicht mehr traurig sein, sondern lachen. 
Ihr Hungrigen, hört her und freut euch. Euer Hunger wird vergehen.‘

Ich werde es nicht vergessen, Ruth. Das waren wirklich gute Worte. 
Neue Worte, voller Kraft. Denn wir, ich und die anderen Jünger, konnten sehen: Die Armen richteten sich auf. Sie fühlten sich nicht mehr übersehen und wertlos. Die Traurigen wischten sich die Tränen ab. Ein Lächeln war in ihren Augen. Sie spürten den großen Trost der Worte von Jesus. Die Hungrigen spürten ihren Hunger nicht mehr. Sie wussten genau, ‚Jesus wird uns satt machen.‘“ 
„Ja, genau!“, rief Ruth dazwischen. „Mutters Worte waren auch gut. Ich weiß, was du meinst. Ich hatte auch keine Angst mehr.“ 
„Ja, Ruth,“ sagte Großvater, „Manchmal haben Worte die Kraft, die Angst zu vertreiben. Aber es waren nicht nur die Worte, oder Ruth?
Es war auch das In-den-Arm-nehmen von deiner Mutter.“ Ruth nickte. 
Dann schwiegen die beiden wieder eine Weile. Sie schauten hin zur Sonne. Diese war schon ein ganzes Stück weit aufgegangen. Sie spürten die Wärme auf ihren Gesichtern. Andreas sagte nach einem wohligen Seufzen: 
„Gute Worte sind wie die Sonne. Sie schenken Wärme. Und sie machen das Leben hell. Weißt du, Jesus hatte viele gute Worte. 
Sie sollen nie vergessen werden. Mein Freund Lukas beschreibt gerade eine Schriftrolle mit den guten Worten von Jesus. Er schreibt alles von Jesus auf. 
Alle sollen es lesen können. Manchmal helfe ich ihm. Ich erzähle ihm von Jesus. Ich erzähle, woran ich mich erinnere. Lukas nennt die Schriftrolle eine frohmachende Botschaft. Ich finde, das ist ein guter Name. In der griechischen Sprache heißt es Evangelium. Lukas schreibt es nämlich in der griechischen Sprache auf.
Aber weißt du, Ruth, es gibt Worte, die werde ich nie vergessen. 
Die muss ich nicht nachlesen oder aufschreiben.
Manche von ihnen spreche ich jeden Tag am Morgen. 
Immer dann, wenn ich hier draußen sitze. 
So auch das Gebet, das Jesus uns beigebracht hat. Ich glaube, du kennst es. 
Das sind gute Worte. Voller Trost und Kraft und Hoffnung. Zu jeder Zeit. 
Wollen wir es gemeinsam sprechen?“ 
Ruth nickte nur. Dann stehen die beiden auf. 
Heben ihre Köpfe der wärmenden Sonne entgegen. 
Andreas nimmt Ruths kleine Hand in seine Hand. 
Und sie sprechen gemeinsam: „Vater unser im Himmel … … … …“

(Quelle: Gemeindekatechese Erzbistum Bamberg, Thomas Höhn)