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2. Bibelerzählung für Kinder – „Freunde werden“

Fischerboot
Datum:
Veröffentlicht: 6.2.21
Von:
Gemeindekatechese Erzbistum Bamberg, Thomas Höhn

(Lk 5,1-11 auch Mt 4,18-22; Mk 1,16-20)

Das Wasser gluckerte leise in den Steinen am Ufer des Sees. Am Strand lagen einige Fischerboote. Darüber lagen die Netze zum Trocknen. Der Geruch von Fisch hing deutlich in der Luft. Großvater Andreas, Beni und Ruth gingen am Seeufer entlang. Plötzlich blieb Andreas stehen und sagte: „Genau hier!“ „Hä!?“, sagte Beni. „Was ist genau hier?“, fragte Ruth. „Genau hier war es, wo Jesus unser Boot repariert hat. Genau hier habe ich ihn das erste Mal getroffen. Erinnert ihr euch an die Geschichte? Und genau hier ist es dann weitergegangen mit Jesus. Das ist vielleicht ein guter Platz, um die Geschichte weiterzuerzählen. Was meint ihr?“ „Nein nicht hier“, rief Beni und rümpfte die Nase. „Hier stinkt es so nach totem Fisch. Total eklig!“ „Also gut“, sagte Andreas. „Dann lasst uns ein wenig dort hinaufgehen, gut?“ Weiter oben am Ufer gab es ein paar große Steine. Diese waren von der Sonne gewärmt. Die eigneten sich hervorragend zum Hinsetzen. Dort roch es auch nur noch ein klein wenig nach Fisch. Die Kinder probierten die Steine aus. Auf welchem ließ es sich am bequemsten sitzen? Beni musste mindestens sieben verschiedene Steine ausprobieren. Dann hatte er einen gefunden, der ihm passte. Ruth und Großvater Andreas waren weniger wählerisch. Sie nahmen einfach die beiden großen Steine neben Benis Stein. Schon begann Andreas zu erzählen.

„Es war etwa vier Tage nach meiner ersten Begegnung mit Jesus. Wir kamen gerade vom Fischfang zurück. Es war früh am Morgen. Die Sonne war noch gar nicht richtig aufgegangen. Simon und ich hatten in dieser Nacht kaum etwas gefangen. Nur wenige Fische waren uns ins Netz gegangen. Und diese waren auch noch ziemlich mickrig. Wir waren nicht mehr weit vom Ufer entfernt.
‚Schau mal dort!‘, sagte Simon plötzlich und deutete zum Ufer hin. ‚Sitzt dort am Ufer im Sand nicht dieser Zimmermann von neulich?‘ 

Tatsächlich, dort saß Jesus. Er schien auf uns zu warten. Da stand er auch schon auf und winkte uns zu. Wir fuhren bis ans Ufer heran. Jesus kam uns entgegen.
Es schien, als wollte er in unser Boot einsteigen. Ich sagte zu ihm: ‚Schalom, du kannst nicht einsteigen. Wir fahren nicht mehr hinaus. Wir kommen gerade zurück vom Fischfang.‘
Jesus lächelte uns an und sagte: ‚Ja, natürlich, das sehe ich. Aber ihr habt anscheinend nicht viel gefangen. Da liegt ja kaum ein anständiger Fisch in 
eurem Boot. Kommt, fahrt noch einmal mit mir hinaus. Dorthin, wo das Wasser am tiefsten ist.‘ 
Ich wollte schon widersprechen. Dieser Jesus hatte echt keine Ahnung vom Fischfang. Am Tag fängt man gar nichts. Aber da hörte ich Simon mit einem eigenartigen Klang in der Stimme sagen: 
‚Auf dein Wort hin, Herr, wollen wir es wagen.‘
Ich sah Simon verblüfft an. Zuckte mit den Schultern und drehte unser Boot um. So fuhren wir schweigend bis in die Mitte des Sees. Mir taten heftig die Arme weh von dem vielen Rudern. 
‚Hier ist es gut!‘, meinte Jesus. ‚Hier werft eure Netze aus!‘ 
Und wieder lächelte er uns ganz off en an. 
‚Na gut, wo wir schon einmal hier sind.‘, dachte ich mir, und: ‚Er mag ja ein guter Zimmermann sein. Von der Fischerei hat er jedenfalls keine Ahnung!‘ 
Aber ich half, die Netze auszuwerfen. Die Netze hingen noch nicht lange im Wasser. Da sagte Jesus schon wieder: 
‚Ihr könnt die Netze jetzt einholen.‘
Also gut. Mich wunderte mittlerweile gar nichts mehr. Wir zogen an den Netzen. Wir zogen kräftiger. Wir zogen schließlich mit aller Kraft und baten Jesus noch um Hilfe.  Nur so konnten wir die Netze einholen. 

Unglaublich, verrückt, absolut verrückt. 

Die Netze waren voller großer Fische. So viele Fische. Fast drohten die Netze zu reißen. Simon und ich bekamen fast die Münder nicht mehr zu vor Staunen. 
‚Wer war dieser Jesus?‘, fragten wir uns still. 
Sicherlich mehr als ein einfacher Zimmermann. Und wieder lachte er uns an. 
Dieses Lachen war ansteckend. Da mussten auch wir lachen.
Lachen vor Freude über diesen Fang. Den größten Fang unseres Lebens. So ruderten wir zum Ufer zurück. Glücklich, lächelnd, verwundert. Am Ufer zogen wir unser Boot aufs Trockene. Wir sortierten die Fische. Jesus half uns dabei.

Andere Fischer kamen und waren verblüfft über unseren Fang. 
Wir scherzten bei der Arbeit miteinander. Wir hatten Spaß. 
Dann wurde Jesus plötzlich ernst. Er sah Simon und mir in die Augen. Sah uns lange in die Augen. Dann sprach er: 
Folgt mir nach. Bisher habt ihr Fische gefangen, jetzt werdet ihr Menschen fangen. Für Gott, euren himmlischen Vater.‘ 
Dann stand er auf und ging vom Ufer weg. Simon und ich schauten uns kurz an. Dann folgten wir ihm.“


„Einfach so?“, fragte Ruth. „Ja, einfach so!“, antwortete Andreas. „Das verstehe ich nicht. Deine Familie, deine Kinder, dein Boot? Hast du wirklich einfach alles zurückgelassen? Wie konntest du das tun?“ 
„Die Frage kann ich dir nicht beantworten, Ruth. Ich weiß es bis heute nicht genau. Alles was ich sagen kann: Es fühlte sich einfach richtig an. Es war in diesem Moment das einzig Richtige. Es war richtig, mit Jesus mitzugehen. Und es war der Beginn einer  tiefen Freundschaft.“