11. Bibelerzählung – „Miteinander unterwegs“

Lk 24,13-35
Drei Fladenbrote, ein Stück harter Ziegenkäse, ein Töpfchen Oliven, sechs Äpfel und ein Schlauch Wasser. Das war im Bündel. Das Bündel war an einem Tragestock befestigt. Es war ganz schön schwer.
Beni wollte es unbedingt tragen. Doch es dauerte nicht lange.
„Großvater,“ sagte er, „Ich kann nicht mehr. Wieso muss ich alles schleppen? Ruth muss gar nichts tragen! Das ist gemein!“
„Halt, mal langsam, junger Mann. Wer wollte denn unbedingt ganz groß sein? Wer wollte das Bündel den ganzen Weg alleine tragen?“, erwiderte Großvater. „Pass auf! Ich habe eine Idee. Jeder bekommt schon mal einen Apfel für den Weg. Dann wird das Bündel leichter. Außerdem werde ich es auf dem Hinweg tragen. Und du, Beni, auf dem Rückweg.“ Das war eine gute Idee. Und Benis schlechte Laune war gewandelt.
Der Weg zu Onkel Kleopas war noch ganz schön weit. Ihn, Kleopas, wollte Großvater Andreas besuchen. Ruth und Beni begleiteten ihn.
Kleopas war auch ein Freund von Jesus. Die Kinder kannten ihn.
Sie freuten sich, ihn zu sehen. Wie Großvater konnte auch er toll Geschichten erzählen. Immer wieder holten sie unterwegs eine kleine Stärkung aus dem Bündel. Bald waren nur noch drei Äpfel und etwas Wasser übrig. Die Zeit auf dem Weg vertrieben sie sich mit lustigen Liedern. Und sie spielten Ich-sehe-was,-was-du-nicht-siehst.
Zwei Stunden später saßen sie etwas müde, aber glücklich bei Onkel Kleopas. Die Füße taten ihnen weh. Und sie waren hungrig. Die Bissen aus dem Bündel hatten den hungrigen Kindern bei Weitem nicht gereicht. Onkel Kleopas tischte ihnen deshalb reichlich auf. Es gab Linseneintopf, frisches Brot, Honig und süße Trauben. Die Kinder erzählten von ihrem Weg. Was sie sahen und hörten. Worüber sie sich unterhielten. Ruth fragte schließlich: „Du, Onkel Kleopas, Großvater erzählt uns immer von seiner Zeit mit Jesus. Du hast Jesus doch auch gekannt.“ Da seufzte Kleopas:
„Ach, ja. Jesus habe ich wohl gekannt. Nicht so lange wie euer Großvater. Aber gekannt habe ich ihn. Habe mit ihm viel erlebt. Habe mit ihm Unvergessliches erlebt. Am allerunvergesslichsten war, … ja, damals auf dem Weg nach Emmaus. Ja! Passt mal auf! … Ich weiß es noch wie heute. Hinter uns lagen diese schrecklichen und unverständlichen Tage. Jesus verhaftet, geschlagen, verurteilt. Und gekreuzigt. Alles schien vorbei. Aus und vorbei! Bis früh am Morgen genau an diesem Tag Petrus angelaufen kam. Er schrie, er lachte und heulte gleichzeitig. ‚Jesus lebt! Jesus lebt!‘, schrie er wie von Sinnen.
‚Gott hat Jesus auferweckt! Gott hat Engel geschickt. Fragt die Frauen. Die haben sie auch gesehen. Und das leere Grab. Sie waren sogar zuerst am Grab. Jesus lebt! Echt, er lebt!‘
Wir dachten erst Petrus sei verrückt geworden. Von den Frauen war weit und breit nichts zu sehen. Doch dann … Wir liefen hinaus zum Grab. Es war ein richtiger Wettlauf. Jeder wollte der Erste sein. Und tatsächlich war es leer. Nur ein paar Leinenbinden lagen darin. Sonst nichts. Kein Leichnam! Aber auch keine Engel mehr. Wir haben es aber damals noch nicht richtig verstanden. Es ist ja auch schwer zu verstehen. Wir waren ganz schön durcheinander. Alles war durcheinander.
Ausgerechnet Petrus behielt dann einen klaren Kopf. Ja, Andreas, dein Bruder. Erinnerst du dich? Er sorgte dafür, dass es alle erfahren: Jesus lebt! Er schickte mich und einen weiteren Jünger los.
‚Geht nach Emmaus!‘, sagte er. ‚Gebt den Brüdern und Schwestern dort Bescheid. Erzählt, was ihr gesehen habt.!‘ So sind wir dann losgegangen.
Mit all unseren Fragen. Mit all den Erinnerungen im Kopf: An den Einzug in Jerusalem. An das letzte Abendessen mit Jesus. An die Verhaftung. An das Urteil. An das schreckliche Kreuz. An das Grab. Und, ja, an das leere Grab.
Wir waren an diesem Tag wirklich sehr verwirrt. Wir gingen sogar ganz ohne Wasserschlauch los. Es war ein weiter Weg, etwa 12 Kilometer. Und es war heiß an diesem Tag. Aber gut. Wir waren schon eine ganze Weile unterwegs. Wir haben geredet. Wir haben versucht, zu verstehen.
Wir haben uns Fragen gestellt. Plötzlich ging ein dritter Mann mit uns mit.
Ein Fremder. Er fragte uns vieles zu unserer Zeit mit Jesus. Er wollte alles ganz genau wissen. ‚Erzählt mir alles von diesem Jesus!‘, bat er uns. ‚Was ist mit diesem Jesus passiert? Wer war er?‘ Er schien tausend Fragen zu haben. Aber auch tausend Antworten. Denn irgendwann begann er selbst zu erzählen. Er erzählte uns aus der Heiligen Schrift. Erklärte uns die schwierigen Prophetenbücher. Und wusste auch eine ganze Menge über Jesus.
Das war schon komisch. Plötzlich waren alle unsere Fragen weg. Wir verstanden plötzlich. Unser Fragen war in Sehen gewandelt. Unseren Durst spürten wir längst nicht mehr.
Es wurde schon Abend. Da erst kamen wir in Emmaus an. Ich sagte zu dem Fremden: ‚Sieh, es wird schon Abend. Komm mit uns ins Haus. Bleibe noch zum Abendessen!‘ Und er blieb. Er setzte sich mit uns an den Tisch. Ein einfaches Essen mit Brot, Wein, Obst und Käse wartete schon auf uns. Wir wollten erst essen. Danach wollten wir den Freunden in Emmaus berichten: Jesus lebt!
Dann nahm der Fremde das Brot in seine Hände. Er dankte Gott. Er brach das Brot. Und gab uns das Brot. Und dann … dann hatten wir ihn erkannt. Der Fremde war Jesus gewesen! Die ganze Zeit ging Jesus schon neben uns her. Wir hatten ihn einfach nicht erkannt. Unglaublich! Als er das Brot brach. Dann wussten wir es. Mit einem Mal.
Ganz plötzlich.
Jesus! Wir wollten ihn ansprechen. Doch da war er weg. Spurlos verschwunden. Von einem Augenblick auf den nächsten.
Wir waren wie erstarrt vor Erstaunen. Es lief uns kalt und heiß über den Rücken. Tränen liefen uns aus den Augen.
Wir hatten Jesus gesehen. Petrus hatte recht: Jesus lebt!
Ja, Kinder, der Rest ist schnell erzählt. Noch am Abend liefen wir zurück nach Jerusalem. Alle Müdigkeit war fort. Wir liefen und liefen. Nachts weckten wir dann noch die anderen Jünger. Wir erzählten alles. Wir erzählten es wieder und wieder. Ja, so war das damals.“
„Onkel Kleopas, das ist eine wunderbare Geschichte. Ich werde sie nie mehr vergessen“, sagte Ruth.
„Und weißt du was?“, rief Beni. „Diese Geschichte merken wir uns. Bei uns kennt sie noch keiner. Wir werden sie so erzählen, wie wir sie gehört haben. Dürfen wir, Onkel Kleopas?“
„Ja, natürlich dürft ihr. Wisst ihr, Kinder, diese Geschichten sind zum Weitererzählen. Jeder Mann und jede Frau, jedes Kind und jeder Greis soll sie hören. Die Geschichte von Jesus. Die Geschichten von Jesus. Ja, erzählt sie weiter! Jesus lebt! Jesus wandelt das Fragen. Jesus wandelt den Tod ins Leben. Jesus wandelt auch dich.“
„Was heißt das: ‚Jesus wandelt auch mich‘?“, fragte Ruth.
Und Onkel Kleopas antwortete sanft lächelnd:
„Denkt darüber nach, du und Beni. Auf dem Nachhauseweg zurück an den See habt ihr genug Zeit dazu.“
(Quelle: Gemeindekatechese Erzbistum Bamberg, Thomas Höhn)