1000-jähriges Jubiläum des Bamberger Domes
Der Bamberger Reiter
Zum 1000-jährigen Jubiläum des Bamberger Doms stellen wir in loser Folge bedeutende Orte im Dom vor.
Heute geht es um den Bamberger Reiter.
Über Jahrhunderte hinweg erzählen sich die Menschen über den Bamberger Reiter, dem bekanntesten Kunstwerk des Bamberger Doms, Sagen und Legenden. Doch bis heute ist unklar, wer er ist. In einem vornehmen Gewand und mit einer Krone auf dem Haupt sitzt er auf dem stolzen Ross. Schon allein durch diese Ausstattung erkennt man, dass es sich bei dem Reiter um eine hochrangige Person, ja um einen König handeln muss. Auch seine aufrechte Haltung, die ebenmäßigen Gesichtszüge und der weite Blick, der sich auf den Westchor richtet, zeigen seine königliche Würde.
Es ist davon auszugehen, dass die Figur einen Heiligen darstellt, wie den heiligen Georg, dem der Ostchor geweiht ist, den heiligen Kaiser Heinrich II. oder einen der Heiligen Drei Könige. Der Großteil der Forschung unterstützt die Annahme, dass es sich bei der Figur um den heiligen Stephan, den Nationalheiligen von Ungarn, handelt. Diese These mag zunächst ungewöhnlich klingen. Ein Blick in die Geschichte ist hier hilfreich.
Die Schwester von Kaiser Heinrich II., der 1007 das Bistum Bamberg begründete und den ersten Dom bauen ließ, war mit König Stephan I. verheiratet. Einer Legende zufolge wurde der ungarische König von Heinrich zum Christentum bekehrt und soll sogar im Bamberger Dom getauft worden sein. Der Bamberger Reiter entstand erst mehr als 200 Jahre später, als der Dom durch einen Flächenbrand weitgehend zerstört war und neu errichtet wurde. Auch zu dieser Zeit gab es verwandtschaftliche Beziehungen zwischen dem ungarischen Königshaus und dem damals regierenden Bamberger Bischof Ekbert von Andechs-Meranien (1202 – 1237). Seine Schwester Gertrud war mit dem ungarischen König Andreas II. verheiratet. Dennoch lässt sich nicht eindeutig belegen, ob es sich beim Bamberger Reiter um den Heiligen Stephan von Ungarn handelt.
Sicher hingegen ist, dass bei der Entstehung der Statue um 1235 ein wahrer Meister am Werk war. Er gehörte der sogenannten jüngeren Werkstatt an, die beim Bau des zweiten Doms maßgeblich mitwirkte. Ihr Handwerk erlernten sie in Frankreich. Von dort brachten sie neben dem gotischen Baustil auch den damals modernen Typus der „Königsfigur“ mit nach Franken. Mit technischem Geschick und großer Kunstfertigkeit bearbeitete der Bildhauer acht Steinblöcke und schuf so die erste monumentale Reiterfigur nördlich der Alpen.
Vom nördlichen Pfeiler neben dem Ostchor erscheint der Bamberger Reiter wenig imposant. Aus dieser Perspektive ist es kaum zu glauben, dass er vom Huf bis zur Krone 2,38 Meter misst. Im Mittelalter dürfte die Statue wesentlich eindrucksvoller gewirkt haben. Denn ursprünglich war der Reiter bemalt, die Säume seines Gewands sogar vergoldet. Anfang des 17. Jahrhunderts entsprach die Bemalung jedoch nicht mehr dem barocken Kunstgeschmack. Deshalb überzog man die Skulptur mit einer einheitlichen, hellen Farbe. Gut 200 Jahre später wollte König Ludwig I. den Dom von dem überbordenden barocken Schmuck befreien und wieder in seine ursprüngliche Gestalt bringen. Irrtümlicherweise dachte er, dass zu Zeiten Kaiser Heinrichs II. der Dom überhaupt nicht ausgemalt war. Aus diesem Grund ließ er den kompletten Innenraum abwaschen und auch der Bamberger Reiter wurde von seinem Anstrich „befreit“. So erhielt der Reiter sein steinsichtiges Äußeres, das wir noch heute vorfinden.
Doch trotz all dieser Umgestaltungen blieb die Botschaft des Bamberger Reiters über all die Jahrhunderte hinweg lesbar: Aufrecht wie er und mit klarem, offenen Blick kann der Mensch durchs Leben gehen, denn von Gott ist er ausgestattet mit der Würde eines Königs.
Weitere Informationen
- Einen einführenden Text zum Domjubiläum finden Sie hier...
- Informationen sind auch unter 0951/502-330 oder per E-Mail domtouristik@erzbistum-bamberg.de erhältlich.
- Einen Einblick über das Domjubiläum und die Veranstaltungen sind unter www.dem-himmel-entgegen.de möglich.