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1000-jähriges Jubiläum des Bamberger Domes

Datum:
Veröffentlicht: 30.5.12
Von:
Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Erzdiözese Bamberg

Das Kaisergrab

Zwischen beiden Aufgängen zum Ostchor des Bamberger Doms erhebt sich das Grab von Kaiser Heinrich und Kaiserin Kunigunde. Schon durch seine Größe und seine Verzierung wird deutlich, dass es sich hier um eine ganz besondere Begräbnisstätte handelt: Um das Doppelgrab zweier Heiliger, die für den Dom und das Bistum Bamberg bis heute von großer Bedeutung sind.

Zum 1000-jährigen Jubiläum des Bamberger Doms stellen wir in loser Folge bedeutende Orte im Dom vor.

Heute geht es um das Kaisergrab.

Zwischen beiden Aufgängen zum Ostchor des Bamberger Doms erhebt sich das Grab von Kaiser Heinrich und Kaiserin Kunigunde. Schon durch seine Größe und seine Verzierung wird deutlich, dass es sich hier um eine ganz besondere Begräbnisstätte handelt: Um das Doppelgrab zweier Heiliger, die für den Dom und das Bistum Bamberg bis heute von großer Bedeutung sind.

Die fünf Reliefs an den Seiten des Grabmals erzählen von diesen beiden Menschen. Sie stellen jeweils eine Szene aus den Legenden über das Leben der heiligen Kunigunde und des heiligen Heinrichs dar. Die linke Seite zeigt die Kaiserin, wie sie die Treue zu ihrem Mann durch die Pflugscharenprobe unter Beweis stellt. In der nächsten Szene sieht man einen Ausschnitt aus der Legende vom Pfennigwunder: Beim Bau der Stephanskirche soll Kunigunde die Arbeiter jeden Abend selbst entlohnt haben. Sie kam mit einer Schüssel voll Geld zur Baustelle und jeder Arbeiter konnte sich so viel nehmen, wie ihm zustand, jedoch nicht mehr, ansonsten brannten ihm die Hände.

Auch in dem Relief an der Kopfseite ist die Kaiserin zu sehen. Sie steht am Sterbebett ihres Mannes, der – so heißt es in der Legende – kurz vor seinem Tod über seine Frau folgende Worte gesagt haben soll: „Diese habe ich von Gott als Jungfrau erhalten. Ich gebe sie euch zurück, wie ich sie erhalten habe.“ Mit diesem Verweis auf die angenommene jungfräuliche Josefsehe versuchten die Menschen damals die Kinderlosigkeit des Kaiserpaares zu erklären.

In der nächsten Szene auf der rechten Seite sieht man Heinrich im Krankenbett. Der heilige Benedikt steht neben ihm und heilt ihn von seinem Steinleiden. Die letzte Darstellung zeigt den Kaiser nach seinem Tod bei der Seelenwägung. Die Waage ist auf der Seite der guten Taten schwerer, weil der heilige Laurentius einen Messbecher, den der Kaiser dem Bistum Merseberg geschenkt hat, in die Waagschale legt.

Die Reliefs sind Ausschnitte aus Legenden. Sie enthalten keine harten, geschichtlichen Fakten. Sie zeigen aber, mit welchem Blick im Mittelalter die beiden Herrscher gesehen haben und warum sie auch noch Jahrhunderte später zutiefst verehrt wurden.

Etwa 500 Jahre nach dem Tod von Heinrich und Kunigunde waren ihre Geschichten noch so präsent in den Köpfen der Menschen, dass sie als Grundlage für die Gestaltung des Hochgrabs herangezogen wurden.

Tilmann Riemenschneider, der berühmteste Bildhauer seiner Zeit, erhielt 1487 vom Domkapitel den Auftrag, das Grabmal anzufertigen. Der Würzburger arbeitete über 25 Jahre, bis es mit den vielen detaillierten Darstellungen fertig war.

Als das Grabmal 1513 nach Bamberg kam, werden sich die Betrachter der Deckplatte wohl gewundert haben: Wie zu erwarten sahen sie eine Darstellung des Kaiserpaares, das nebeneinander liegt. Aber warum befindet sich Kunigunde zur Rechten ihres Mannes und nicht wie sonst üblich zur Linken? Auch dieses damals aufsehenerregende Detail entsprach den Vorüberlegungen der Auftraggeber. Schließlich wussten sie, dass sich der Kaiser in vielen Belangen mit seiner Frau beriet. War er auf Reisen, regelte Kunigunde seine Regierungsangelegenheiten. Sie war die rechte Hand Heinrichs, demnach sollte sie auch noch 500 Jahre später auf der Darstellung der Grabplatte den Platz an seiner Rechten erhalten. Sehen kann man das Relief nur aus erhöhter Position, wenn man die Treppenstufen zum Ostchor hinaufsteigt und auf das Grab hinabblickt.

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