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10. Bibelerzählung – „Auferstanden“

Sonnenaufgang
Datum:
Veröffentlicht: 4.4.21
Von:
Gemeindekatechese Erzbistum Bamberg, Thomas Höhn

Joh 20,1-11

Es war früher Morgen. Die Sonne war noch nicht aufgegangen. Es war noch frisch von der Nacht. Da wurden Ruth, Beni und ihre Eltern von Andreas geweckt. Beni wollte wie immer gar nicht wach werden. Es brauchte erst ein wenig kaltes Wasser. Ruth hingegen war sofort munter.

Es war früher Morgen. Die Sonne war noch nicht aufgegangen.
Es war noch frisch von der Nacht. Da wurden Ruth, Beni und ihre Eltern von Andreas geweckt. Beni wollte wie immer gar nicht wach werden.
Es brauchte erst ein wenig kaltes Wasser. Ruth hingegen war sofort munter.
Sie war die Frühaufsteherin in der Familie.
Auch die Eltern, Rebecca und David schauten noch sehr müde aus.

Großvater dagegen war hellwach. Die Trauer der vergangenen Tage war verflogen. Andreas wirkte sehr lebendig und munter. Seine Augen leuchteten. „Auf jetzt!“, rief er fröhlich. „Wir wollen heute Morgen jemanden besuchen. Eine gute alte Freundin von mir: Maria von Magdala. Sie war auch eine sehr gute Freundin von Jesus. Und sie hat eine wunderbare Geschichte für euch.“

Kurze Zeit später verließen alle das Haus. Sie waren auf dunklen Straßen unterwegs. Andere Menschen waren nicht zu sehen. Der Weg führte zur Stadt hinaus. Bis kurz hinter die Stadtmauer. Dort war der Hügel Golgota.
Dort war auch das Grab Jesu. Das war ihr Ziel. Der Himmel wurde im Osten gerade hell. Ein zartes rosa Band zog sich über den Horizont.
Schließlich kamen sie dort an. Sie wurden schon erwartet. Neben einer Felsenhöhle stand eine alte Frau.

Großvater lief ihr entgegen. Er umarmte sie herzlich. Dann wandte er sich seinen Begleiterinnen und Begleitern zu und sagte:
„Das, ihr Lieben, ist Maria von Magdala. Eine liebe Freundin von mir.“

Maria begrüßte Beni und Ruths Familie: „Der Friede sei mit euch! Schön, euch kennenzulernen. Andreas hat schon viel von euch beiden erzählt. Ihr seid also Ruth und Beni. Ihr seid die beiden, die so viel von Jesus wissen möchten.“
„Der Friede sei auch mit dir!“, schallte es vielstimmig zurück.
Beni konnte nicht an sich halten: „Großvater hat uns etwas versprochen. Du wirst uns eine Geschichte erzählen. Stimmt das?“

„Ja, das stimmt“, antwortete Maria. Sie lächelte Beni dabei freundlich an. Ruth war von Maria fasziniert. Sie hatte schon von ihr gehört. Hatte gehört, dass Maria eine sehr gute Freundin von Jesus war. Sie war gespannt. Bisher hatten ihr immer nur Männer von Jesus erzählt. Sie ahnte schon, was Maria erzählen würde. In der Nähe des Grabes lagen mehrere große Steinblöcke. Dort setzten sich alle hin. Dann begann Maria zu erzählen:

„Es war ein früher Morgen, wie dieser. Ruhig, still und klar. Es war der dritte Tag nach Jesu Tod. Ich ging hinaus zum Grab von Jesus. Ich wollte ein wenig allein sein. Ich wollte mich an ihn erinnern. Ich wollte, dass niemand meine Tränen sieht. Wisst ihr, ich hatte Jesus sehr lieb. Und nun war er mir genommen. So dachte ich.
Ich bin heftig erschrocken. Als ich dann zum Grab kam. Das Grab war mit einem großen Stein verschlossen. Und dieser Stein war weggerollt. Ich bekam es mit der Angst zu tun. Ich zitterte und bebte. Was? Was war geschehen? Dann drehte ich um. Ich lief zurück in die Stadt. Direkt zu Petrus, den Frauen und den anderen Freundinnen und Freunden von Jesus.

Atemlos erzählte ich vom offenen Grab. Petrus und Johannes waren zwei Jünger. Sie liefen sofort los. Sie lieferten sich einen richtigen Wettlauf. Ich kam da nicht mit. Obwohl ich damals noch eine junge Frau war. Ich ging also langsamer.
Dann kam auch ich zum zweiten Mal an diesem Tag am Grab an. Die beiden Jünger, Johannes und Petrus, kamen gerade wieder aus der Grabeshöhle heraus. Sie blickten mich voller Staunen an. Sie sagten: ‚Maria, Jesus ist nicht mehr im Grab. Da sind nur noch die Leinenbinden. Maria, Jesus ist auferstanden von den Toten. Jesus lebt! Das müssen wir den anderen erzählen.‘ Und damit liefen sie schon wieder los. Ich verstand gar nichts. Ich war erstaunt, verunsichert, neugierig.
Ich ging die wenigen Schritte bis zum Grab. Ich setzte mich an den offenen Eingang. Ich weinte. Aus Trauer und aus Liebe. Schließlich beugte ich mich ein wenig ins Grab hinein. Ich wollte sehen, was Petrus und Johannes gesehen hatten. Dann begann die wunderbarste, seltsamste und wertvollste Minute meines Lebens.

Mit verweinten Augen blickte ich hinein ins Grab. Drinnen saßen zwei Engel. Sie trugen weiße Gewänder. Sie sprachen mich an: ‚Frau, warum weinst du?‘, fragten sie. Ich sagte: ‚Sie haben meinen Herrn weggenommen. Und ich weiß nicht, wohin sie ihn gebracht haben.‘ Dann hörte ich ein Geräusch. Ich drehte mich um. Ich sah einen Mann dort stehen. Auch dieser fragte mich: ‚Frau, warum weinst du? Wen suchst du?‘ Ich dachte es wäre der Gärtner. Und ich sagte zu ihm:
‚Hast du Jesus weggebracht? Bitte sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Ich will hingehen und ihn holen.‘ Dann hörte ich meinen Namen, Maria. Ich hörte ihn so wie noch nie. Ausgesprochen voller Liebe und Zuneigung.
Voller Freude und Trauer in einem. Mein Name, so wie ihn Jesus immer gesagt hatte. Ich wandte mich ihm nochmals zu und sagte nur ein Wort: ‚Rabbuni, Meister!‘ So hatte ich Jesus immer genannt.
Als ich meinen Namen hörte, wusste ich, es war Jesus, nicht der Gärtner.

Jesus, der mir alles war. Jesus, mein Anfang und mein Ende. Jesus, der lebte. Jesus, der mir näher war als jemals zuvor. Dann bat er mich: ‚Maria, halte mich nicht fest. Ich muss jetzt zu meinem Vater gehen. Aber erzähle alles meinen Freundinnen und Freunden in Jerusalem.‘

Dann war er weg. Es waren nur wenige Worte. Es war nur eine ganz kurze Zeitspanne. Aber es war alles. Einfach alles.
Bis heute erfüllt mich diese Begegnung. Bis heute klingt dieses ‚Maria‘ in mir nach. Tief und innig. Lebendig und erfüllend. Und ich weiß es: Jesus lebt! Mein Jesus lebt! Mein Rabbuni, Jesus lebt!“

Mit diesen Worten beendete Maria von Magdala ihre Geschichte. Und ihr altes Gesicht war entspannt wie das eines Engels. Beni, Ruth, Rebekka und David und alle anderen, die zuhörten, konnten es sehen. Ruths Ahnung hatte sich erfüllt. Und auch ihr Herz war erfüllt. Erfüllt von der wunderbarsten Geschichte überhaupt. Erfüllt von Jesus. Und in ihrem Herzen hörte sie Jesus sagen: ‚Ruth.‘

Dann stimmte Rebekka mit klarer Stimme ein Lied an:
„Halleluja, Jesus lebt, er ruft mich bei meinem Namen. Er erfüllt mich mit neuem Leben, halleluja, Jesus lebt.“ Immer mehr stimmten in das Lied ein.
Bis es laut vom Hügel Golgota bis hinaus in alle Welt klang:

Halleluja, Jesus lebt.

(Quelle: Gemeindekatechese Erzbistum Bamberg, Thomas Höhn)