Einen bildhaften Bezug findet das Patrozinium Zu den Heiligen Aposteln an den hölzernen Griffbalken der beiden zweiflügeligen Haupteingänge. An den Griffhölzern der beiden südlichen Türen sind Symbole der zwölf Apostel dargestellt. Die Auswahl der Motive spannt einen weiten Bogen zwischen traditionellen, aber heute noch gültigen Inhalten und aktuellen Ideen. Manche Symbole reichen weit in die christliche Bilderwelt zurück, andere wurden vom Künstler Heinrich Schreiber neu entworfen. Die leichte Verständlichkeit und die Freude am Betrachten waren Heinrich Schreiber an dieser Stelle wichtig.
Südliche Türen
Den Beschreibungen liegen die Erläuterungen des Künstlers zugrunde (kursiv):
Verzweifelter Mensch - Judas Thaddäus
Er trägt den Beinamen der Kühne; das deutet auf seine Zugehörigkeit zur politischen Partei, welche die Römerherrschaft abschütteln wollte. Der verzweifelte Mensch, die Hände vors Gesicht geschlagen; rings um ihn ist Wirrnis, ohne Ausweg, anscheinend von allen verlassen und vergessen. So verehren wir ihn als Patron der Ausweglosen.
Elefant - Thomas
Der Elefant für den Apostel Thomas ist eine eigene Idee des Künstlers, mit der er vor allem auch die Kinder ansprechen wollte:
Der Elefant wird in Indien als Haustier gehalten. Das ist das Zeichen, dass der Apostel die Frohbotschaft bis nach Indien getragen hat.
Waage - Jakobus der Jüngere
Mit der Waage wird Bezug genommen auf den Beinamen des Jakobus als der Gerechte. Die ausgeglichene Waage symbolisiert traditionell die Gerechtigkeit, wurde aber nie für den Apostel verwendet:
Jakobus musste das erste Apostelkonzil leiten. Es ging um das Problem Juden und Heidenchristen. Jakobus entschied sich für die Aufnahme der Heiden in die Kirche, ohne dass sie sich den jüdischen Gesetzen unterwerfen mussten.
Herz - Johannes
Mit dem Herzen setzt der Künstler ein neues Symbol. Er will damit die innige Beziehung zwischen Johannes und Jesus hervorheben:
Johannes war der Lieblingsjünger Jesu und liebte seinen Meister. Man liebt nicht mit dem Verstand, sondern mit dem Herzen. Seine Liebe hat ihm das Herz berührt, er hatte keine Worte für sie.
Geldsack - Matthäus
Matthäus war von Beruf Zöllner und für die Juden ein durch Unrecht zu Geld Gekommener:
Wenn man sein Evangelium liest, fällt einem auf, dass er oft Berichte von Jesu Gleichnissen bringt, wo es um Reichtum und Geld geht. Matthäus hat sich vom Geld distanziert. „Folge mir!" sagte Jesus, als er an seiner Zollstätte vorüberkam, und Matthäus ging mit ihm.
Hahn - Petrus
Mit dem Zeichen des Hahns wird an die herbste Niederlage des großen Apostelfürsten erinnert, als er Jesus dreimal verleugnete:
Der Hahn soll uns einerseits sagen, dass wir stets wachsam sein sollen, andererseits Mut machen, wenn wir einmal versagt haben. Der Herr hat Petrus vergeben, er wird auch uns immer verzeihen.
Pilgerstab und Pilgerflasche - Jakobus der Ältere
Seit im 8. Jahrhundert die Gebeine des Apostels auf wundersame Weise im nordspanischen Galizien aufgefunden wurden, wird Jakobus als Apostel der Spanier verehrt. Neben Rom und Jerusalem wurde seine Grablege in Santiago de Compostela zum bedeutendsten Wallfahrtsort des Mittelalters. Die Symbole Stab und Flasche, übliche Attribute des Apostels, sollen an die unzähligen Pilger erinnern, die unter Strapazen die weite Pilgerfahrt auf sich nahmen und nehmen.
Gehäuteter Mensch - Bartholomäus
Bartholomäus wurde gehäutet - er trägt seine Haut über dem Arm:
Wir werden beim Anblick des Bildes an die Redensart erinnert: Jeder muss seine Haut zum Markt tragen; d.h. jeder ist für sich und seine Werke selbst verantwortlich, - was uns aber nicht furchtsam machen soll.
Säge - Simon
Die Säge ist seit dem 13. Jahrhundert individuelles Attribut für Simon und verweist auf sein Martyrium, bei dem er der Überlieferung nach zersägt wurde.
Brote und Fische - Philippus
Brot und Fisch verweisen auf die Brotvermehrung. Sie wurden Philippus zugeordnet, weil er es war, der sich bei Jesus erkundigte, wie die große Menschenmenge wohl zu versorgen sei.
Andreaskreuz - Andreas
Andreas wirkte der Überlieferung nach am Schwarzen Meer und wurde zum großen Apostel der Russen. Den Märtyrertod durch Kreuzigung erlitt er in Patras in Griechenland. Das Andreaskreuz mit den doppelten Querbalken und dem Schrägbalken ist sein traditionelles Attribut und die in Russland übliche Kreuzesform.
Geteiltes Deutschland - Matthias
Der Legende nach waren die Gebeine des Apostels durch Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin d.Gr., Anfang des 4. Jahrhunderts nach Trier gelangt. Daraus leitet sich seine Verbindung zu Deutschland ab, die im Symbol des geteilten Landes versinnbildlicht wird:
Mitten durch das Land der Riss, das zweigeteilte Deutschland, aber nicht nur politisch gesehen, sondern auch gespalten im Glauben - das Kreuz zeigt es uns an.
Nördliche Türen
Die Griffleisten der nördlichen Türen zeigen Hände und Füße, ein Gesicht mit deutlich akzentuierten Augen, Ohren und Nase - die fünf Sinne des Menschen.
In der Erinnerung an die Apostel Jesu werden wir auf der anderen Seite - und hier im wahrsten Sinne des Wortes auf unsere je eigene Berufung, in der Welt von heute seine Gesandten zu sein, erinnert:
Christus hat heutzutage keine anderen Hände und keine anderen Füße als nur die unsrigen... Jede und jeder von uns in seiner Individualität, aber auch wir als christliche Gemeinde sind gerufen, dem Glauben an die vorbehaltlose Liebe Gottes ein Gesicht, ihr im eigenen Leben Hand und Fuß zu geben.